Liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich bedauere, heute nicht an Ihrer Seite sein zu können. Denn in der Tat: Weder wurde bisher offiziell  angemessen um die Opfer des Attentats von Anis Amir getrauert, noch wurde nach den Motiven und Hintergründen des bei den Sicherheitsbehörden einschlägig bekannten Islamisten gefragt.

Doch die Opfer der Islamisten  – die Toten von Berlin, Paris und New York oder Bagdad und Mogadischu – sie sind nur die Spitze des Eisberges. Der Boden für diesen Terror wird von islamistischen Schreibtischtätern und radikalen Imamen vorbereitet. Hier müssen wir ansetzen, wollen wir zukünftig den Terror der selbsternannten Gotteskrieger eindämmen.

Nicht länger darf die Minderheit der Schriftgläubigen, das heißt, orthodoxen bis islamistischen Islamverbänden, der Ansprechpartner von Politik, Kirchen und Gesellschaft sein. Wir müssen uns zusammentun mit der Mehrheit der aufgeklärten Muslime! Sie sind es auch, die weltweit die ersten Opfer der radikalen Islamisten sind.

Eine falsche Toleranz darf nicht länger dazu führen, dass wir Koranschulen oder radikale Imame tolerieren, die Kinder und Jugendliche verhetzen. Den muslimischen Mädchen und Frauen müssen in unserer Gesellschaft dieselben Chancen und Rechte geboten werden wie ihren nichtmuslimischen Nachbarinnen. Die geflüchteten Männer müssen in den Lagern und Notunterkünften vor islamistischer Agitation geschützt werden. Und die Kinder und Frauen vor Gewalt. Und das ist nur der Anfang. 

Die Unterscheidung von Islam und Islamismus tut not. Und die Trennung von Religion und Staat.

Gehen wir es an!

Alice Schwarzer

Köln, 17. Dezember 2017